Gut im Bett und für den Planeten

hig & chic-Gründer Tom Gärtner und Matthias Kühr

Tom Gärtner und Matthias Kühr lassen uns mit Bettwäsche aus Eukalyptus in jeder Hinsicht gut schlafen. Im Interview erklären die Gründer von hig & chic, wie nachhaltiges Wirtschaften ihr Geschäftsmodell prägt, warum Baumwolle im Schlafzimmer ausgedient hat und warum Style und Verantwortung zusammengehören.

 

Was war der Auslöser der Gründung und wie seid Ihr auf das Thema Bettwäsche gekommen?

Tom: Matthias und ich sind bereits seit der Grundschule miteinander befreundet, aber die konkrete Idee für unser eigenes Startup kam uns in den heißen Sommermonaten 2018, als wir in unseren Dachgeschosswohnungen kaum ein Auge zu bekommen haben. Gemeinsam haben wir dann nach Faktoren für ein angenehmes Schlafklima gesucht und sind so auf das Thema Bettwäsche gestoßen.

Wann war Euch klar, hier ist noch eine Nische frei?

Matthias: Bei der ersten Recherche haben wir festgestellt, dass der Markt recht angestaubt ist. Vieles mutete doch sehr nach von Omis gehäkelt oder Möbelhaus an. Es gab eigentlich keine richtige Love-Brand in diesem Bereich, die eine Geschichte erzählt und der Konsument*innen vertrauen. Gleichzeitig war und ist das Angebot unübersichtlich und viel zu viele Zwischenhändler verdienen mit. Dazu kommen sehr viele Materialien und eine unglaubliche Preisspanne. Dabei sagt der Preis auch im Bettwäschemarkt nichts aus – teuer ist nicht gleich gut.

Welche Vision steckt hinter hig & chic?

Tom: Wir alle, unsere gesamte Wirtschaft, stehen ja vor der Herausforderung, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das heiß auf das, was gut ist für uns und den Planeten. Also auch Qualität, die Bestand hat und nicht gleich weggeworfen werden muss. Wir wollten das gern im Bereich Bettwäsche machen. Und zwar mit einer Lifestyle-Brand, die Spaß macht und so positive Emotionen weckt.

Heute steht hig & chic ja stark für das Thema nachhaltige Eukalyptusfaser. Wie kam das?

Tom: Wir wollten ein Produkt für anspruchsvolle Konsument*innen schaffen, das die besten Produkteigenschaften mit grünen Produktionsbedingungen und dem niedrigsten CO2 Fußabdruck verbindet. So sind wir auf die Eukalyptusfaser gestoßen. Wir waren uns sofort einig: Ein besseres Material gibt es aktuell nicht! Nicht nur, dass es edel aussieht und super angenehm auf der Haut ist, es vereint auch alle idealen Eigenschaften, um daraus die beste Bettwäsche herzustellen.

Was glaubt ihr, ist wichtiger bei der Kaufentscheidung? Ein cooles Produkt oder Nachhaltigkeit?

Tom: Im ersten Moment muss das Produkt überzeugen. Die meisten Leute kaufen Produkte, weil sie hochwertig, funktional oder cool sind. Aber Nachhaltigkeit, Qualität und Style müssen sich ja nicht ausschließen. Im Gegenteil, nachhaltige Produkte erfüllen von vornerein viele der Kriterien, nach denen Konsument*innen suchen. Uns war deshalb von Anfang wichtig, Nachhaltigkeit nicht mit erhobenen Zeigefinger zu propagieren, sondern viel mehr mit Sympathie und Spaß rüberzubringen.

Wieso ist die richtige Bettwäsche so wichtig für einen gesunden Schlaf?

Matthias: Viele Menschen machen sich kaum Gedanken über Ihr Bettzeug – und das obwohl wir rund ein Drittel unseres Lebens im Bett verbringen und unsere Haut dabei ständig in Kontakt mit dem Stoff ist. Studien belegen, dass sich der Körper bei konstanten Schlaf-Temperaturen am besten erholt. Die Wahl der Bettwäsche spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn sie beeinflusst unsere körpereigene Klimaanlage. Pro Nacht schwitzen wir rund einen Liter Flüssigkeit aus. Diese sollte idealerweise nicht nur vom Bezug aufgenommen, sondern auch schnell wieder an die Umgebung abgegeben werden. Bleibt die Feuchtigkeit im Stoff, entstehen unangenehme Gerüche und Allergie-Auslöser, wie Milben und Bakterien können sich leichter vermehren. Das Tolle an unserer Eukalyptus-Bettwäsche ist, dass sie im Sommer kühlt, im Winter wärmt und von Natur aus ein ausgezeichnetes Feuchtigkeitsmanagement besitzt. So haben Milben und Schweiß keine Chance!

Wieso ist grünes Wirtschaften so schwer? – Speziell mit Blick auf das Segment Bettwäsche?

Matthias: Neue Ansätze machen Mühe, bestehende Strukturen zu bespielen ist immer einfacher. Deshalb ist der Großteil der angebotenen Bettwäsche immer noch aus Baumwolle, ein anderer sogar aus Polyester. Obwohl der Anbau von Baumwolle Unmengen an Wasser verschlingt und extrem viele Pestizide verwendet werden müssen. Dazu ist das wie beim Renovieren: Einfach eine Ecke neu streichen bringt nichts. Wenn man wirklich Wert auf ein nachhaltiges Produkt legt, müssen viele Details bedacht werden. Bei uns ist zum Beispiel kein Stück Plastik am Produkt. Selbst die Knöpfe sind aus Corozo. Die Farbe ist unschädlich und ökologisch und die Qualität auf eine langfristige Nutzung ausgelegt. Unsere Verpackung ist ebenfalls plastikfrei und fast ausschließlich aus recycelten Materialien und unser Versand ist CO2-neutral. Für viele Unternehmen drückt dieser Anspruch zu sehr auf die Marge. Wir glauben aber, dass sich dieser Ansatz auf lange Sicht lohnt. Außerdem streichen wir teure Zwischenhändler aus der Gleichung und erreichen so eine sehr transparente und effiziente Lieferkette, die die Kosten senkt.

Was macht Eukalyptus so ökologisch?

Tom: Das Rohmaterial für unsere Bezüge stammt aus FSC-zertifiziertem Eukalyptusanbau in Portugal und Spanien. Dieser benötigt rund 95% weniger Wasser als konventionelle Baumwolle und kommt dabei ganz ohne Dünger oder Chemikalien aus. Ein weiterer, riesiger Vorteil von Tencel Lyocell ist das viel nachhaltigere Produktionsverfahren in einem nahezu komplett geschlossenen Kreislauf. Bisher gibt es nur wenige Anbieter für Bettwäsche aus diesem Material – und sie ist enorm teuer. Und die günstigen sind wiederum meist Baumwollgemische, die in Asien produziert werden und das Prädikat „nachhaltig“ eigentlich nicht verdienen.

Wenn man die Bettwäsche nur online kaufen kann, woher weiß ich, dass der Stoff mir auch wirklich gefällt?

Matthias: Im Laden kann man Bettwäsche oft nicht vor dem Kauf anfassen, geschweige denn testen. Bei uns kann man die Bettwäsche entspannt nach Hause bestellen, dort 60 Tage lang probeschlafen und sogar waschen. So gut wie alle unserer Kunden sind aber komplett überzeugt, sobald sie das erste Mal in hig & chic-Bettwäsche schlafen. Werden dann doch mal Sets zurückgeschickt, spenden wir diese. Der Versand ist dabei kostenlos – und dank DHL GoGreen klimaneutral.

Wie habt Ihr Euch finanziert?

Matthias: Nach der Gründung im April 2019 haben wir uns für eine Crowdfunding Finanzierung über startnext.com entschieden. So konnten wir ohne großes Eigenkapital erstmal schauen, wie unser Produkt auf dem Markt ankommt. Tatsächlich hatten wir nach einem Monat unser Fundingziel von 20.000 Euro sogar um 10.000 Euro übertroffen, was uns total stolz gemacht hat. Mittlerweile wachsen wir aber aus dem eigenen Cash-Flow, sind aber auch in ersten Gesprächen mit potenziellen Investoren.

Was waren die größten Hürden bei der Gründung und wie habt Ihr sie gemeistert?

Tom: Zunächst einmal mussten wir uns das entsprechende Fachwissen im Bereich Textilien aneignen. Wir beide haben zwar Wirtschaftswissenschaften studiert, hatten aber keine Ahnung von den verschiedenen Materialien, Webarten oder der Fadendichte. Durch Bücher und letzten Endes viel Ausprobieren, sind wir inzwischen aber echte Stoff-Experten geworden.

Matthias: Die größte Herausforderung war natürlich die Corona-Pandemie, die uns noch im ersten Geschäftsjahr hart getroffen hat. Wir waren Ende 2019 so gut wie ausverkauft und hatten gerade unsere neue Produktion in Auftrag gegeben, als es zum Lieferstopp kam. Masken waren zu diesem Zeitpunkt noch Mangelware und so kamen wir auf die Idee uns mit lokalen Nähbetrieben zusammen zu tun und aus den übriggebliebenen Stoffresten Mund-Nasen-Masken zu fertigen. Damit konnten wir die Ausfälle gut kompensieren. Allein zwischen April und Juli haben wir rund 40.000 Masken verkauft. Gleichzeitig konnten wir so vielen Menschen die Eukalyptusfaser näher bringen, da der Stoff besonders hautfreundlich und viel atmungsaktiver ist als z. B. Baumwolle ist.

Was glaubt Ihr, wie hat Corona den Markt verändert? Gibt es langfristige Effekte?

Tom: Während Corona haben wir zwangsläufig viel mehr Zeit zu Hause verbracht, das verändert natürlich auch den Blick auf die eigene Einrichtung. Das sehen wir auch an unseren Bestellungen. Es ist zwar schwierig für uns Vergleiche zu ziehen, da wir einfach noch nicht so lange am Markt sind, aber wir merken schon deutlich, dass sich die Menschen mehr mit ihrem zu Hause und gutem Schlaf auseinandersetzen.

Matthias: Auch wenn die Pandemie gerade im Vordergrund steht, hat sie uns die größeren ökologischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge vor Augen geführt. Die Menschen kaufen gezielter und vor allen Dingen bewusster ein. Wir glauben, dass dieser Trend auch nach Corona anhalten wird. Wollen Unternehmen zukünftig erfolgreich sein, müssen sie sich an diese Erwartungshaltung anpassen.

Mannheim als Gründungsstandort: Was sind Eure Erfahrungen?

Matthias: Wir sind im Großraum Mannheim aufgewachsen und haben uns dafür entschieden, auch hier zu gründen. Die Stadt hat eine gute Infrastruktur und eine sehr lebendige Startup-Szene, gerade im E-Commerce-Bereich mit Brands wie Purelei, Snocks oder Bitterliebe. Man muss aber auch sagen, dass es gerade im E-Commerce nicht so relevant ist, wo man sitzt. Ein Teil unseres Teams arbeitet größtenteils remote und wohnt beispielsweise in Köln.

Was steht als Nächstes an?

Tom: Auf jeden Fall möchten wir unser Sortiment rund um das Thema Heimtextilien erweitern. Spannbettlaken stehen ganz oben auf der Agenda, das ist ein ziemlicher No-Brainer. Außerdem sind neue Farben und Designs in Planung. Genaueres können wir da noch nicht verraten, aber vor allem Pastell-Fans können sich freuen. Derzeit fokussieren wir uns noch auf die DACH-Region, weil wir hier noch mehr als genug Potenzial sehen. Langfristig wollen wir aber auch die ausländischen Märkte mit unseren Produkten erobern.

Zu Guter Letzt: Einmal abgesehen von der richtigen Bettwäsche, was sind Eure Tipps für einen besseren Schlaf?

Matthias: Mir hilft es, wenn ich die gleichen Abendroutinen einhalte. Ich schreibe mir abends immer meine To-Dos für den nächsten Tag auf, um sie aus dem Kopf zu haben.

Tom: Auf jeden Fall die letzte halbe Stunde vorm Schlafen gehen, den Fernseher ausschalten und das Handy weglegen. Stattdessen lieber ein Buch lesen! Gelingt mir aber ehrlicherweise auch nicht immer.

 

 

Über hig & chic:

Das Startup hig & chic wurde im April 2019 von den Mannheimern Tom Gärtner und Matthias Kühr gegründet. Mit ihren Bezügen aus Eukalyptusfasern wollen die beiden den angestaubten Bettwäsche-Markt aufmischen. Ihre Vision: Die komplette Produktionskette, vom umweltfreundlichen Anbau der Rohstoffe bis hin zum plastikfreien Versand, so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Schon im Oktober 2019 startete die erste Crowdfunding-Kampagne – und das mit riesigem Erfolg. Nach nur knapp einem Monat war das Ziel sogar übertroffen. Mittlerweile gibt es die kuschelig-weichen Bezüge in 3 verschiedenen Decken- und. 2 verschiedenen Kissengrößen und 4 stylischen Designs. Weitere Infos unter: https://www.higandchic.com/