Wachstum trotz Corona? Das Bettwäsche- Startup hig & chic macht’s vor!

Die Pandemie hat junge Unternehmen besonders hart getroffen. Doch das Mannheimer Startup hig & chic startet trotzdem mit steigenden Kundenzahlen und guter Wachstumsprognose ins neue Jahr und will 2021 erst so richtig durchstarten.

Schlaflose Nächte im Hitze-Sommer 2018 inspirierten Matthias Kür und Tom Gärtner ihre eigene Bettwäsche herzustellen. Mit Bezügen aus Eukalyptusfasern wollen sie nicht nur das Schlafkima deutlich verbessern, sondern auch ein Produkt kreieren, das innovativ und nachhaltig ist. Während Corona machten sie aus der Not eine Tugend und stellten ihre Produktion kurzerhand auf Masken um. Dass die beiden Wirtschaftsstudenten von Anfang an auf ein digitales Geschäftsmodell setzten, erwies sich dabei als großer Vorteil. Durch den Fokus auf den E-Commerce, sowie den Verzicht auf Zwischenhändler können sie die Bettwäsche ihrer Marke hig & chic außerdem vergleichsweise günstig anbieten. Im Dezember launchten sie dann sogar eine neue Farbe.

Das Crowdfunding übertrifft alle Ewartungen 

Nach der Gründung im April 2019, entscheiden Kür und Gärtner sich für eine Crowdfunding-Finanzierung über startnext.com. „Gerade für junge Startups wie uns, bietet das Crowdfunding eine super Möglichkeit ein Projekt mit geringem Kapitaleinsatz vorzufinanzieren und erstmal zu schauen, wie das Produkt auf dem Markt ankommt“, so Gärtner. Plattformen wie Startnext funktionieren dabei nach dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“, heißt: Wird das festgelegte Funding-Ziel nicht erreicht, erhalten Unterstützer*innen ihr Geld zurück. Doch die erste Kampagne landet einen riesen Erfolg. Bereits nach einem Monat sind die anvisierten 20.000 Euro nicht nur geknackt, sondern sogar um 10.000 Euro übertroffen. „Das hat uns nicht nur wahnsinnig stolz gemacht, sondern auch gezeigt, dass wir mit unserer Idee einen Nerv getroffen haben“, sagt Gärtner. Mit dem Geld finanzieren sie die Produktion der ersten 500 Bettwäsche-Sets in Israel und sind bereits nach zwei Wochen ausverkauft.

Aus Bettwäsche-Resten werden Masken

Dann kam Corona und verzögerte nicht nur das Wachstum, sondern bedeutete auch einen zweimonatigen Produktionsstop. Doch davon lassen sich die Jungunternehmer nicht beirren und stellen kurzerhand die Produktion um. Gemeinsam mit kleinen Nähbetrieben aus der Region fertigen sie aus übriggebliebenen Bettwäsche-Stoffresten Corona-Masken. Das ideale Material dafür, hatten sie schließlich schon: Die Eukalyptusfaser für die Bezüge ist nicht nur von Natur aus besonders hautfreundlich und feuchtigkeitsabsorbierend, sondern auch 50% atmungsaktiver als Baumwolle. So schaffen es die Jungunternehmer trotz Pandemie den Ausfall zu kompensieren und neue Kund*innen zu akquirieren. „Durch die Masken kamen viele buchstäblich mit unserem Stoff in Berührung, waren sofort begeistert und konnten es dann kaum noch abwarten, bis die Bettwäsche wieder auf Lager ist. Insgesamt ist die Nachfrage nach Heimtextilien gestiegen, Kunden kaufen aber deutlich bewusster ein“, so Gärtner. Auch glaubt er, dass sich das Verständnis für globale Zusammenhänge inzwischen verändert hat und sieht in der Corona-Krise sogar eine Chance: „Man hat erkannt, dass Krisen nur zu bewältigen sind, wenn jede*r Einzelne seinen bzw. ihren Beitrag leistet. Das kann ein gutes Vorbild sein, etwa für den Umgang mit dem Klimawandel.“

„Innovation und Nachhaltigkeit rücken in den Fokus“

Mittlerweile ist das Lager wieder aufgefüllt und weitere Produktionen in vollem Gange. Der bisheriger Topseller: Das Design Lazy Gray in der Größe 135 x 200 cm. Für das weitere Wachstum setzen Kühr und Gärtner auf Werbeanzeigen bei Facebook und Instagram: „Darauf liegt unser Fokus, weil wir Kunden*innen dort die verschiedenen Vorteile viel besser näher bringen können, als beispielsweise bei Google Ads, wo ein Kaufinteresse ja schon vorhanden sein muss.“ Um noch bekannter zu werden, setzt das Startup außerdem auf Pressearbeit, vergessen dabei aber nicht, dass sie auch einen Nachhaltigkeitsauftrag haben. Am Black Friday pflanzten sie für jedes verkaufte Bettwäsche-Set fünf Bäume. Während des Prelaunchs der neuen Farbe „Fresh Green“ wiederum, spendeten sie fünf Euro pro Bestellung an Pro Wildlife. „Mit der Corona-Krise rücken Innovation und Nachhaltigkeit immer weiter in den Fokus. Wir sind überzeugt, dass Nachhaltigkeit und Gewinnorientierung sich nicht ausschließen müssen. Deswegen verzichten wir schon jetzt auf plastikfreie Verpackungen und klimaneutralen Versand“, so Gärtner.

Das Ziel: DIE Topadresse für hochwertige Bettwäsche werden

Derzeit konzentriert sich hig & chic vor allem auf die DACH-Region, mit Österreich als zweitstärkstem Markt, geliefert werden die Eukalyptus-Bezüge aber schon in 27 Länder. „Noch sehen wir in Deutschland genug Wachstumspotenzial, langfristig wollen wir aber die ausländischen Märkte stärker angehen.“ Dafür will das derzeit sechsköpfige Team nächstes Jahr noch mehr Verstärkung anheuern. „2021 wird unser zweites ‚richtiges‘ Geschäftsjahr, wir wollen deshalb richtig Gas geben und hig & chic als DIE Top-Adresse für hochwertige Bettwäsche etablieren. Dafür brauchen wir ein starkes Team.“ Basierend auf dem Kund*innen-Feedback, ist geplant das Sortiment um weitere Designs, Größen und nachhaltige Produkte aus dem Bereich Heimtextilien zu erweitern. „Die neue Farbe war erst der Anfang. Als nächstes stehen vor allem Spannbettlaken ganz oben auf unserer Liste, die werden gerade besonders nachgefragt“, so Gärtner.