„Profit und Nachhaltigkeit müssen keine Widersprüche sein“

Wie Vegan-Pionier Gordon Prox mit seinem Food Startup el origen die Welt ein kleines bisschen besser macht 

„el origen“ bedeutet übersetzt „der Ursprung“ – und ist damit ein passender Name für das von Gordon Prox gegründete Food-Startup, das größten Wert auf natürliche Zutaten und Achtsamkeit gegenüber Mensch und Umwelt legt. Jedes der Produkte bringt ein Stück lateinamerikanisches Lebensgefühl nach Deutschland und stammt aus direktem Handel sowie bio-zertifiziertem Anbau, sodass faire Arbeitsbedingungen und Löhne für die lokalen FarmerInnen in Ecuador sichergestellt werden. Neben dem sozialen Impact hat für das Team der Schutz der Amazonasregion höchste Priorität. Das Ergebnis: Super leckere, qualitativ hochwertige Snacks, die dank dem Verzicht auf unnötige Zusätze in jeder Hinsicht ohne schlechtes Gewissen genossen werden können.

3 Millionen Euro Umsatz in diesem Jahr und der Sieg der TV-Show „Die leckerste Idee Deutschlands“. Dass el origen-Gründer Gordon Prox heute mit seinem Food-Startup nicht nur erfolgreich ist, sondern auch für sozialen sowie ökologischen Impact sorgt, hätte er vor wenigen Jahren wohl selbst nicht gedacht. Alles begann mit einem Hobby. Im September 2017 gründete Prox mit Aljosha Muttardi den Youtube-Channel „Vegan ist Ungesund“. Sie thematisieren vegane Ernährung, beschäftigen sich mit den neusten Produkten und das in Kombination mit einer großen Portion Humor. Diese Mischung machte sie innerhalb kürzester Zeit bekannt, „Vegan ist Ungesund“ wird mit zu einem der erfolgreichsten Youtube-Channels Deutschlands. Plattformübergreifend haben die Vegan-Pioniere zu Hochzeiten mehr als 500.000 AbonnentInnen. „Damals war vegane Ernährung noch weit davon entfernt so ein Trend-Topic zu sein wie heute“, erinnert sich Prox. „Wir haben mit dem Thema einen Nerv getroffen, es hat sich angefühlt wie der Stich ins Wespennest.“ Als ihm das Potential klar ist, kündigt Prox seinen Job – und als sie die Menge an Anfragen nicht mehr allein bewältigen können, holen sie ein Management mit ins Boot.

Bereits während seines BWL-Studiums zieht es Prox in die Selbstständigkeit. Er gründet eine Marketing-Agentur, bringt eine Software-Lösung für Mitarbeiter-Feedback auf den Markt, startet eine Vermietung für SUPs – und bleibt stets auf der Suche nach einer neuen Idee. 2019 wird er von einer Einkäuferin einer Drogeriekette angesprochen. Sie kennt ihn dank seines Youtube-Channels und macht ihn mit jemandem bekannt, der sich auf lateinamerikanische Snacks spezialisiert hat. Durch seine mexikanische Verlobte, mit der er seit mittlerweile 11 Jahren zusammen ist, hatte er seine Liebe zu Lateinamerika längst entdeckt und brennt daher direkt für die Idee. Die Reise von el origen beginnt, Gordon wird nach Ecuador eingeladen, schaut sich die Produktionsstätten der Chips an. Er sieht, welchen sozialen Impact das Projekt hat und ist direkt begeistert. In seiner Euphorie übernimmt er das Projekt komplett. Aus heutiger Sicht ein mutiger Schritt: „Ich hatte keine Ahnung vom Lebensmittelmarkt“, erzählt Gordon rückblickend. Es galt die richtigen Produzenten zu finden, zu schauen, wie eigentlich eine Bio-Zertifizierung abläuft und allgemein in die Materie einzusteigen. Er macht sich an den Aufbau der Logistik und bereitet einen erfolgreichen Markteintritt vor. Und das ohne Vorkenntnisse in der Lebensmittelbranche und einem Eigenkapital von 100.000 Euro. Er findet dazu Investoren, die 600.000 Euro beisteuern. Im ersten Schritt wechselt er bereits den Produzenten, ändert die Verpackung und die Rezeptur – und strickt eine komplett neue Brand: el origen ist geboren.

Im ersten Jahr besteht das Team aus vier Leuten. Sie arbeiten aus einem Coworking-Space heraus. Doch so richtig Gas geben und Chef sein stellt Prox vor einen inneren Konflikt: „Step by step musste ich lernen, das Bild des idealen Geschäftsführers, so wie ich es immer im Kopf hatte, abzulegen“, erinnert er sich. „Anfangs hatte ich die Vorstellung, sehr streng sein zu müssen, damit das Team funktioniert. Doch das Kostüm des typischen Vorgesetzten hat mir einfach nicht gepasst und ich habe gemerkt, dass Freiheiten in meine MitarbeiterInnen diese viel besser motivieren.“ Heute heißt das: unbegrenzte Urlaubstage, Freiheit für Homeoffice und vollstes Vertrauen.

Mittlerweile hat sich Prox in seiner Heimatstadt Hamburg ein Team von 19 MitarbeiterInnen aufgebaut. Darüber hinaus hat sein Startup durch die Nachfrage an Produkten mehr als 20 neue Arbeitsplätze in Ecuador geschaffen. „Wir arbeiten vor allem mit Kooperativen zusammen. Mit diesen Zusammenschlüssen lokaler FarmerInnen handeln wir immer den besten Deal für beide Seiten heraus“, so Prox. Eigentlich unüblich, einigen sie sich auf einen Preis, der das ganze Jahr konstant bleibt. „So haben die Bauern und Bäuerinnen trotz Ernte-Schwankungen eine Planungssicherheit“, erklärt der 36-Jährige.

Neben der fairen Partnerschaft mit den Produzenten steht für den Gründer die ökologische Nachhaltigkeit an erster Stelle. Daher bezieht el origen die Rohstoffe ausschließlich aus biologischem Anbau in Mischkulturen. „Es ist für mich die einzige Möglichkeit, Landwirtschaft in der Amazonasregion mit mir selbst zu vereinbaren“, so Prox. „Es ist so wichtig, diesen Flecken Erde davor zu schützen, für Großplantagen zerstört zu werden.“ Durch Mischkulturen, die den Boden nicht auslaugen sowie kleinere Parzellen, verhindern sie mit dem Anbau der Rohstoffe für ihre Produkte die Zerstörung des Amazonasgebietes. „Dort, wo wir anbauen, stellen wir sicher, dass keine kilometerlangen Kochbananenfelder entstehen, in denen jede Staude einzeln in Plastik eingepackt ist“, so Prox. „Selbstverständlich verzichten wir zudem vollständig auf Pestizide. So können wir garantieren, dass wir weder Flora noch Fauna belasten.“ Zudem kompensiert das Startup die CO2-Emissionen des internationalen Transports. „Wir wollen einfach gemeinsam etwas bewegen und nicht mehr auf Kosten unseres Planeten wirtschaften. Wenn ich eins gelernt habe, dann, dass Profit und Nachhaltigkeit keine Widersprüche sein müssen.“

Dabei verbleibt ein Großteil der Wertschöpfung in Lateinamerika. Vom Anbau, über die Verarbeitung der Rohstoffe, bis hin zur Verpackung werden die kompletten Produkte ausschließlich dort produziert. „Wir wollen das lateinamerikanische Lebensgefühl, diese Lebensfreude und bunte Vielfalt unverfälscht nach Europa bringen“, so Prox. Zwei Jahre lang fokussiert sich el origen auf die Produktion der Chips, doch Prox will mehr. „Lateinamerika hat so viele Geschmäcker zu bieten, die uns in Europa noch relativ unbekannt sind.“ Also entwickelt er neue Produkte, diesmal süß statt salzig. Im August 2022 werden zwei schokoladige Produkte gelauncht. Die knusprig-leichten Quinoa Bites gewinnen sogar direkt im August 2022 die VOX-Show „Die leckerste Idee Deutschlands“. Der Sieg garantiert der veganen Marke für 6 Monate eine deutschlandweite Listung in allen REWE-Filialen. Die Chips gibt es bei Rossmann, Budni, Edeka, Alnatura, Denn’s und weiteren Einzelhandelsmärkten. Neue Produkte sind bereits in Planung. Nichts scheint Gordon und seinen Plan, ein bisschen Lateinamerika nach Europa zu bringen, stoppen zu können.