Von der Plattform zum Monopol

Wie empfohlen.de zum Primus bezahlter Umfragen und Test-Aufträge wurde.

Seriengründer Manuel Tolle hat die Online Marktforschung radikal neu gedacht. Ganz ohne Investoren mauserte er das Vermittlungsportal heimarbeit.de zum Marktführer empfohlen.de, wo Umfragen, Aufträge und Produkttests direkt abgewickelt werden. Mehr als 2,6 Millionen Nutzer treffen hier auf Marken, Games oder Services und tauschen etwas Zeit und ihre Meinung gegen bares Geld. Tolle war vor elf Jahren der Erste in Deutschland, der die Leistung auf einer Plattform digitalisierte. Dann reichte ihm das Vermitteln nicht mehr. „Ich fragte mich: „Wofür brauchen wir eigentlich Partner? Das können wir auch selbst“, so Tolle. Mehr als 4.000 Aufträge später setzt sein Unternehmen 5 Millionen Euro pro Jahr um und gewinnt täglich bis zu 2.000 neue Mitglieder in deutschsprachigen Raum dazu.

Beim Warten, Pendeln oder auf dem Sofa: Zu jeder Uhrzeit und Gelegenheit ein paar Euro verdienen. Das begeistert immer mehr Menschen. Die Nutzerzahlen von empfohlen.de wachsen seit der Gründung 2017 kontinuierlich. Täglich kommen bis zu 2.000 weitere hinzu. 2019 war der Anstieg besonders stark. Am Tag meldeten sich sogar bis zu 7.000 Verbraucher*innen an, um ein kleines Nebeneinkommen zu generieren. „Für Umfragen direkt und fair vergütet zu werden, ist einmalig auf dem Markt,“ erklärt Manuel Tolle, Gründer von empfohlen.de.

Nutzer sind ein junger Querschnitt der Bevölkerung

Anmeldungen kommen aus allen Einkommens- und Berufsgruppen. „Wir nahmen zunächst an, vor allem Geringverdienende anzusprechen, die ihre Haushaltskasse aufbessern möchten. Aber stattdessen sehen wir ein Abbild der breiten Bevölkerung“, so Tolle. Die Nutzerdaten zeigen: 15% verdienen sogar mehr als 3.000 Euro netto pro Monat und 30% mehr als 2.000 Euro pro Monat. Die Altersstruktur ist dabei jung. 32% der Nutzer sind zwischen 18 und 20 Jahre alt. 19% zwischen 20 und 25 und 15% zwischen 25 und 30 Jahren. Dazu kommt ein Überhang von Frauen. „Junge Mütter, Studentinnen, aber auch Angestellte aus allen Branchen interessieren sich für Produkttest, bezahlten Aufträgen und Meinungsforschungen“, so Tolle.

Faire Bezahlung oder Cashback

Männer und Frauen begeistern sich gleichermaßen für Spiele- und App-Tests, die rund 50% der Aufträge auf empfohlen.de ausmachen. Gameanbieter zahlen zum Beispiel bis zu 40 Euro für Spieletests. Unternehmen können eine Umfrage, Aufgabe oder Auftrag bereits ab einem Budget von 5.000 Euro aufsetzen. Der Aufwand für die Bearbeitung ist wiederum sehr unterschiedlich – von einer Minute bis mehreren Stunden ist alles dabei. „Wir möchten beiden Seiten Mehrwert bieten. Mehr als 9 Euro pro Stunde müssen für NutzerInnen drin sein“, sagt Tolle. Einige Aufträge arbeiten aber auch mit Cashback-Anreizen. Ein Beispiel sind Aktionen von Lotto: Wer einen Lottoschein für 4 Euro kauft erhält ein Guthaben von 15 Euro und wird zusätzlich mit 10,50 Euro von empfohlen.de vergütet – ein Erlös von 6,50 Euro inklusive Chance auf Gewinne.

Feedback in allen Phasen des Produktschöpfungszyklus

Aktuell (August 2021) sind rund 60 Projekte online. Nutzer*innen können so mehr als 400 Euro verdienen, wenn sie alle Aufträge annehmen, fleißig testen, spielen, downloaden oder Feedback schreiben. Für Unternehmen bedeutet das andersherum: Ungefilterter Kontakt zur Zielgruppe, die in allen Phasen eines Produktschöpfungszyklus als Korrektiv oder für Machbarkeitsstudien eingesetzt werden kann. Denn Nutzer*innen von empfohlen.de sind nicht zuletzt auch potentielle Kund*innen, die ganz nebenbei zum Fan werden können.

Ad hoc Mehrwert im digitalen Takt

Dazu setzen Unternehmen und Marken auf empfohlen.de, wenn es darum geht, authentische Stimmungsbilder zu aktuellen Trends oder Geschehnissen zu zeichnen. Und das beinahe in Echtzeit. „Unsere Umfragen generieren sehr schnelle Ergebnisse. Je nach Rahmen können wir die gewünschte Reichweite schon innerhalb von 3 Tagen erzielen. Marktforschungsunternehmen benötigen ein Vielfaches an Vorlauf, meist sogar Monate und sind zudem deutlich teurer“, so Tolle. Ein Riesenvorteil in digitalen Zeiten, wo News und Social Media eine schnelle Steuerung bei Markenaufbau und Kommunikation erfordern.

Nutzer werden zu Nano-Influencern

Besonders innovativ ist der Ansatz, Verbraucher*innen auch als Nano-Influencer*innen zu betrachten, die in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis im Kleinen genauso einflussreich sind, wie professionelle Influencer*innen aus dem Social Media Kosmos im Großen. „Jeder, der bei Facebook, Instagram und Co. aktiv ist, kann je nach Auftrag mitmachen, auch wenn sie oder er wenige Follower hat“, so Tolle.

Wachstum und neue Geschäftsmodelle im Gaming

Und Tolle hat viele weitere Ideen, um das Geschäftsmodell weiter auszubauen, ebenso wie den Mehrwert für beide Seiten. Zu den Plänen des 32-Jährigen zählt zum Beispiel die Idee, neben der Auszahlung der Summen auch Tausch-Optionen aufzunehmen. Besonders im Bereich Gaming ein spannender Weg, wo Spieler gern kleine und größere Summen für Items, Waffen und Skins ausgeben. Das passt auch deshalb so gut, weil der Löwenanteil der Aufträge im Gaming und bei App-Tests liegt. Für Daddeln bezahlt werden oder beim Lieblingsgame vorn liegen – ein Träumchen für eine wachsende Zielgruppe.

Wurzeln im Vermittler heimarbeit.de

Begonnen hat die Idee von empfohlen.de mit dem Portal heimarbeit.de. Hier wurden die großen Marktforscher wie auf einer Vergleichsseite gelistet. Wer sich anmeldete, wurde an Umfragen oder für Testberichte weitergereicht, Tolle kassierte nur eine Vermittlungsgebühr von 5 Euro pro Person. Das funktionierte so erfolgreich – heimarbeit.de vermittelte zwischen 2010 und 2020 eine siebenstellige Zahl von Nutzer*innen an Institute – dass der junge Unternehmer mehr wollte. „Wir hatten den Markt zügig ausgereizt und konnten nicht mehr deutlich wachsen. Gleichzeitig dachten wir: Warum machen wir das nicht selbst? Warum nur vermitteln?“ erinnert sich Tolle. Er wollte eine Plattform schaffen, auf welcher alles in einer Hand bleibt und die Nutzer am Ende direkt bezahlt werden. Heute kümmern sich 15 Mitarbeiter in Hamburg um die Ambitionen von empfohlen.de.